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Das Peenetalmoor und seine landwirtschaftliche Nutzung

Schon für die früheste Besiedlungsgeschichte lassen sich anhand der archäologischen Funde Rückschlüsse auf die landwirtschaftliche Nutzung des Peenetals ziehen. Die reichen Fisch- und Wildbestände bildeten die Ernährungsgrundlage der ersten Siedler. Die slawischen Stämme nutzten die vorhandenen Wiesen als Weiden für die Viehwirtschaft. Im Mittelalter wurde damit begonnen, die Wälder zu roden, um Ackerbau zu betreiben.
Die Versorgung über die Wintermonate wurde durch die Mahd der Peenewiesen gesichert. Zu dieser Zeit wurden erste Gräben für die Entwässerung der Wiesen angelegt.

Gravierende Einschnitte für das Peenetal gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Tonröhrendrainagen von 1,30 Meter Tiefe wurden zum Bau von Hauptentwässerungsgräben genutzt. Städte und Dörfer wurden durch Hochwasserschutzdeiche vor Überflutungen gesichert. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Meliorationsanlagen dem Verfall preisgegeben, so dass die Vegetation wieder naturnah gedeihen konnte.

Nach 1960 wurden in der damaligen DDR die Meliorationsmaßnahmen intensiver denn je betrieben. Düngung, Chemie und Umbruch der Flächen hatten den Abbau des Torfkörpers und gravierende Entwässerung der Wiesen und Moore zur Folge. Die Torfschichten der Polder (eingedeichte Flächen) waren durch die Absenkung des Grundwasserspiegels für den Luftsauerstoff zugängig. Schlagartig setzten mikrobiologische Abbauprozesse ein. Nährstoffe wurden ausgespült.

Die Polder senkten sich und waren nach der Trockenlegung nicht mehr in der Lage, Wasser aufzunehmen und zu leiten.
Die landwirtschaftlichen Erträge sanken rapide. Das Nährstoffüberangebot in der Peene und dem Haff hatte zur Folge, dass die Stickstoffbelastung der Gewässer zur Vermehrung der Algen beitrug, der Meeresboden und die Seegrundfauna wurden zerstört und Faulschlamm trug zum biologischen Absterben der Gewässer bei. In den letzten 4 Jahrzehnten gingen durch die Nutzung der Moore in Mecklenburg - Vorpommern 1,56 Milliarden Kubikmeter Torf verloren.

Seit mehr als zehn Jahren laufen - wissenschaftlich begleitet - Bemühungen um die Renaturierung des Peenetalmoores. Aus dem trockengelegten Moor soll wieder ein intaktes werden. Periodisch werden die Wiesen wieder überflutet. Erste positive Ergebnisse zeigen sich bereits: Pflanzen wie die Schachblume oder der Sonnentau, eine heimische fleischfressende Pflanze, die im Peenetal-
moor längst als ausgestorben galten, haben wieder Wurzeln geschlagen. Weil Samen, die noch im Erdreich verblieben waren, wieder zu keimen begonnen haben.
Das Niedermoor wird sich wieder regenerieren, doch es wird noch viele Jahrzehnte brauchen - faktisch ein Langzeit-
experiment. Das wiederentstehende Moor ist außerdem ein neuer Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel. Denn Naturmoore entziehen der Atmosphäre große Mengen des Treibhausgases Kohlen-dioxid, wenn sie intakt sind und wachsen. Dann wird ständig kohlenstoffreicher Torf neu gebildet. Wiederbelebte Moore sind also eine Art CO2-Naturspeicher.

Torfstiche am Kummerower See

[Letzte Änderung: 05.06.2008]

Torfgewinnung

Obwohl die Torfgewinnung für Brennstoffzwecke schon in der Bronzezeit bekannt war, wird heute davon ausgegangen, dass diese Ressource erst ab dem Mittelalter im Peenegebiet Bedeutung gewann. Bis ca. 1800 wurde nur vereinzelt Torf abgebaut.
Die Bevölkerungsentwicklung und Rodung der Wälder machte eine intensivere Nutzung der Torfschicht notwendig.

Wer die Peene heute auf dem Wasser erkundet, wird entlang des gesamten Flusses Torfstiche sehen. Besonders aus der Luft sind die meist rechteckig angelegten Abbauflächen, die in großer Anzahl in der Nähe der Städte zu finden sind, gut zu erkennen. Zwischen 1840 und 1890 sind die meisten dieser Torfstiche entstanden.
Die Entwässerung des Moorgebietes war Folge dieser intensiven Nutzung.

Torfspaten (links) und Torfstechen

1863 wurde Vorpommern an das Eisenbahnnetz angeschlossen und die Einfuhr von Kohle gewann an Bedeutung. Die Torfgewinnung bekam nun einen anderen Stellenwert. Da jedoch vorwiegend Kleinbauern hier siedelten, deren Einkünfte den Ankauf von Kohle nicht ermöglichten, wurde auch weiterhin der natürliche Brennstoff vor der Haustür genutzt.

Sonnentau – charakteristische Moorpflanze

Auch in den Kriegswirren des 20. Jahrhunderts nahm der Torfabbau noch einmal zu. Mancherorts wurde bis in die 1970er Jahre hinein noch Torf gestochen. Heute sind in den Torfstichen neue Lebensräume entstanden, im Juni können riesige Flächen blühender Seerosen bewundert werden, und viele Wasservögel tummeln sich auf diesen Biotopen.