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Schwedenzeit in Norddeutschland

Mit der Belagerung Stralsunds durch die kaiserlichen Truppen beginnt die schwedische Geschichte in Norddeutschland. Im 30jährigen Krieg schickte König Gustav Adolf Truppen nach Stralsund, um die Stadt zu befreien. Er wurde zur zweiten wichtigen politischen Figur im europäischen Geschehen neben Wallenstein. Schon vor dem Krieg war die deutsche Ostseeküstenregion eng mit Schweden verbunden. Der Wert Pommerns bestand für Schweden darin, dass Pommern Getreide und Schiffsbauholz lieferte. Der wichtigste Ausfuhrhafen war Stralsund. Kulturell und wissenschaftlich war die Schwedenzeit für Norddeutschland kein Nachteil. Ein reger Kultur- und Wissens-austausch erfolgte durch die Universitäten. Die Greifswalder Universität war die kleinste Bildungseinrichtung, hatte aber ein gutes Renommee. Pommersche Söldner gingen wegen der guten Aufstiegs-chancen gerne nach Schweden. Die fast 200 Jahre währende schwedische Okkupation Norddeutschlands verlief zwischen Pommern und Schweden im Großen und Ganzen konfliktarm, doch die militärische Seite der Medaille hatte schwere Folgen.

 

Schon durch den 30jährigen Krieg war die Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns von 300.000 auf ca. 100.000 dezimiert worden. Von Pommern aus ließen sich Brandenburg und Dänemark in Schach halten. Es war sozusagen die kontinentale Schutzbastion für die schwedische Krone. Pommerns Bürger hatten vor allem unter den Einquartierungen zu leiden, denn die Provinz gehörte zu den am stärksten aufgerüsteten Regionen. Infolge der militärischen Aktionen Schwedens auf dem Kontinent musste Schweden Pommern zweimal an Brandenburg abtreten. Ab 1720 gehören nur noch die Gebiete nördlich der Peene und Rügen zu Schwedisch-Pommern.

Die Schwedische Krone hatte sich im westfälischen Frieden dazu verpflichtet, das pommersche Rechtssystem und die Stellung der Stände zu respektieren. Daraus resultierte das eigenmächtige Handeln der Pommerschen Guts- und Magistratsherrschaften in wichtigen Funktionen. Besonders die Aufteilung von Grund und Boden nach dem 30jährigen Krieg hatte später verheerende Folgen.
Die Offiziere, die auf schwedischer Seite gekämpft hatten, machten ihre Ansprüche als Landadel geltend und sorgten dafür, dass die bäuerliche Leibeigenschaft in Pommern ein unvorstellbares Ausmaß annahm. Das Land erholte sich jahrhundertelang nicht von den Folgen. Das Ende der Schwedenzeit wurde durch die Napoleonkriege eingeläutet. Französische Truppen besetzten das Land. Auf dem Wiener Kongress wurde erneut über die Staatszugehörigkeit Pommerns entschieden. Im Oktober 1815 wurden die schwedischen Gebiete Pommerns an Preußen übergeben.

[Fotos: Pressestelle Hansestadt Stralsund, Peter Koslik]

[Letzte Änderung: 17.07.2008]